In Erinnerung an
Jeff
Espinous
15.05.1963 – 05.02.2026
Dakilang Guro · Gründer von Kali Sikaran und Kali Silat Evolution
“I’m thankful to all the Masters who have influenced me. They have touched me as a Martial Artist but also as a Human being. I will never forget what they gave to me…”— Dakilang Guro Jeff Espinous

Ein Leben für die Kampfkunst
Jeff Espinous wurde 1963 in Paris geboren. Sein Weg in der Kampfkunst begann 1968 mit Ringen, zwei Jahre später folgte Viet Vo Dao. 1983 kam er auf einem Seminar von Dan Inosanto in Paris zum ersten Mal mit den Filipino Martial Arts in Berührung – eine Begegnung, die sein weiteres Leben prägen sollte. Zwischen 1985 und 1989 trainierte er an der Inosanto Academy in Los Angeles bei Dan Inosanto, Cass Magda, Paul de Thouars, Herman Suwanda, Larry Hartsell und Ted Lucaylucay und reiste immer wieder nach Südostasien, um sein Training in philippinischen und indonesischen Kampfkünsten zu vertiefen.
1989 wurde er der erste hauptberufliche FMA-Instruktor Frankreichs. 1992 gründete er sein eigenes System, Kali Sikaran, und entwarf dessen erstes Logo – den Stier. In den folgenden Jahren war er Mitbegründer der European Kali Arnis Eskrima Federation, deren Präsident er wurde, sowie European Technical Director für Inayan Eskrima unter Mangisurosuro Mike Inay, dessen Seminare er durch ganz Europa brachte.
1995 gründete er die IKSA, die International Kali Sikaran Association, und veröffentlichte 1998 das erste schriftliche Kali-Sikaran-Programm. Unter der Anleitung von Mike Inay – noch vor dessen Tod – trug Jeff ab 2004 den Titel Punong Guro. In den folgenden Jahren wurde er im Pencak Silat zum Pendekar Muda und später zum Pendekar Wijaya ernannt; 2007 war er Mitbegründer von Pencak Silat Rampai.
2014, nach 45 Jahren Kampfkunst und 30 Jahren Filipino Martial Arts, wurde er als Begründer von Kali Sikaran mit dem Titel Dakilang Guro geehrt. 2016 gab er dem System erneut einen neuen Namen: Kali Silat Evolution – KSE – die internationale Gemeinschaft, die es heute ist.
Lehrer und Weggefährten
Jeffs Weg kreuzte sich mit außergewöhnlich vielen Lehrern aus drei Welten der Kampfkunst, und er sprach über jeden von ihnen mit derselben Dankbarkeit, die auch seine eigenen Worte oben ausdrücken. (Ein † kennzeichnet Lehrer, die inzwischen selbst verstorben sind.)
In den Filipino Martial Arts
Über seine Jahre an der Inosanto Academy in Los Angeles bei Dan Inosanto, Cass Magda, Paul de Thouars, Herman Suwanda, Larry Hartsell† und Ted Lucaylucay† hinaus trainierte und arbeitete Jeff mit:
- Bobby Breen — Kali JKD, 4D Combat
- Richard Bustillo† — Cacoy Doce Pares, Jun Fan Jeet Kune Do
- Cacoy Cañete† — Cacoy Doce Pares
- Krishna Godhania — Warrior Eskrima
- Emanuel Hart — Inayan System of Eskrima
- Larry Hartsell† — Jun Fan JKD Grappling
- Mike Inay† — Inayan System of Eskrima
- Dan Inosanto — Inosanto Kali, Maphilindo Silat, JKD
- Dieter Knüttel — Modern Arnis
- Ted Lucaylucay† — Lucaylucay Kali/JKD
- Cass Magda — Inosanto Kali, Maphilindo Silat, JKD
- Russ Rhodes — Ken Ju Ryu, Kempo Ju Jitsu
- Jack Santos† — Balintawak
- Johan Skålberg — Modern Arnis, Kombatan — mit dem er später die von Mike Inay persönlich verliehenen Grade teilte
- Jon C. Ward — Inayan System of Eskrima
Im Pencak Silat
Er trainierte und arbeitete mit:
- Paul de Thouars† — Pencak Silat Bukti Negara
- Dan Inosanto — Inosanto Kali, Maphilindo Silat, JKD
- M. Barie Irsjad† — Pencak Silat Tapak Suci
- Cass Magda — Inosanto Kali, Maphilindo Silat, JKD
- Haryadi Mawardi† — Pencak Silat Tapak Suci
- Pak† — Pencak Silat Pukulan Madura
- Joko Suseno — Pencak Silat Tapak Suci — mit dem er später Pencak Silat Rampai gründete
- Herman Suwanda† — Pencak Silat Mande Muda
Über die philippinischen und indonesischen Künste hinaus
Jeff trainierte in einer großen Bandbreite weiterer Disziplinen und bei vielen Lehrern:
- Salem Assli† — Boxe Française, Savate, Kali, JKD
- Didier Aubry — Tae Kwon Do
- Brad Fowler — Boxing, Kick Boxing
- Ho† — Viet Vo Dao
- Lee Kwon Young — Tae Kwon Do
- Roger Lafond† — Savate, Canne, Bâton, Panache
- Russ Rhodes — Ken Ju Ryu, Kempo Ju Jitsu — bei dem er seinen Kyoshi-Grad erlangte
- Sku† — Muay Thai, Muay Boran, Krabi Krabong
Mehrere der Lehrer, die ihn geprägt haben, sind inzwischen selbst verstorben – eine Linie, die Jeff weitergetragen hat und die heute durch diejenigen weiterlebt, die er ausgebildet hat.
Der Lehrer, den wir kannten
Worte allein können den Charakter, die Erinnerung und das Vermächtnis eines Menschen nie vollständig erfassen. Diese Würdigung konzentriert sich auf einen bedeutenden Teil seines Lebens: die Kunst, die er mit allen teilte, die lernen wollten, und die Hingabe und Freude, mit der er diese Berufung lebte.
Als ewiger Innovator hatte er die bemerkenswerte Gabe, zu sehen, was anderen verborgen blieb: den Kern und die Einfachheit in allen Kampfkünsten. Er löste Komplexität auf und gab der Kampfkunst einen greifbaren, nachvollziehbaren Prozess des Entdeckens – ein Geschenk, das er mit allen teilte, die das Privileg hatten, mit ihm zu trainieren.
„Jeff war ein Bewegungsgenie, ein Schöpfer, ein Innovator. Es war fesselnd, ihn in Aktion zu sehen. Er hatte tausend Antworten auf jeden Angriff und setzte jede einzelne mit Anmut, Haltung, Kraft und Eleganz um.”
— GM Sunny Graff
Als ihn ein Schüler einmal fragte: „Woher nimmst du nach all den Jahren des Trainings deine Inspiration?“, sah er ihn einfach an und antwortete: „Von dir. Du inspirierst mich, besser zu werden und weiterzugehen. Ich weiß noch nicht, was du auf deinem Weg brauchen wirst, aber es ist mir eine Ehre und ein Privileg, dir zu helfen, es zu entdecken. Du bist meine Inspiration.”
Er hatte die seltene Gabe, jedem Menschen das Gefühl zu geben, gesehen, wertgeschätzt und fähig zu sein. Jeff glaubte an seine Schüler – oft, bevor sie selbst an sich glauben konnten – und dieser Glaube half ihnen, mit Selbstvertrauen voranzugehen, in der Kampfkunst und im Leben.
Am meisten erfüllte es ihn mit Stolz, wenn ein Schüler das Geteilte aufnahm und daraus seinen eigenen Ausdruck formte – und so anderen half, diese Art von persönlicher Freiheit zu entdecken. Er hatte ein instinktives Gespür dafür, dich knapp über deine Komfortzone hinauszuführen und dir zugleich die Sicherheit zu geben, dass alles gut wird. Er half dir zu wachsen, und du hast ihn immer mit einem Lächeln verlassen.
Er ermutigte seine Schüler, „über den Zaun zu schauen“, andere Kampfkünste zu trainieren und von anderen Instruktoren zu lernen. Für ihn war das keine Abkehr vom eigenen Weg, sondern ein wichtiger Teil davon: Der Blick über ein System hinaus machte die Schüler stärker, erweiterte ihr Verständnis und gab ihnen einen umfassenderen Zugang zu Lernen und Wachstum. Seine Botschaft war einfach: Je besser jeder Einzelne wurde, desto stärker wurde die ganze Gruppe.
Für Jeff waren seine Schüler nicht einfach Teil seiner Gruppe – sie waren die Gruppe, und sie waren seine Familie, gefördert, ermutigt und unterstützt als Einheit. Dieses Gefühl der Zugehörigkeit spürten selbst neue Schüler, die oft erzählten, dass sie sich vom ersten Training an willkommen und unterstützt fühlten. Wir hoffen, dass genau dieses Gefühl auch ohne ihn weiterlebt. Jeff hat uns ein bleibendes Beispiel dafür gegeben, wie wir uns verhalten und andere unterstützen – in der Kampfkunst und im Leben.
Sein Vermächtnis heute
Kali Silat Evolution führt weiter, was Dakilang Guro Jeff Espinous aufgebaut hat – in mehr als einem Dutzend Ländern, durch die Instruktoren, die er ausgebildet hat, und durch jene, die diese wiederum ausgebildet haben.
Getragen wird diese Arbeit heute von Kali Silat International, der Organisation hinter dem Namen Kali Silat Evolution. Ihre Aufgabe ist nicht, das System festzuhalten, sondern es so in Bewegung zu halten, wie Jeff es immer wollte: Instruktoren ausbilden, neue Schulen eröffnen und jede:n Praktizierende:n – wo auch immer trainiert wird – an dem Maßstab messen, den er von Anfang an gesetzt hat. Zuerst zählt dein Können, nicht die Zeit, die du bei uns verbringst. Das ist bis heute der Maßstab – und so bleibt sein Vermächtnis in der Praxis lebendig, nicht nur in der Erinnerung.
Die Geschichte hinter unserem Logo
Der Stier

Dakilang Guro Jeff Espinous entwarf die erste Version des Stiers 1992 für das zweite Modern-Arnis-Summercamp in Lübeck. Die Inspiration stammte aus dem Majapahit-Reich – einer Zivilisation, auf die er immer wieder zurückkam, wenn er die Bedeutung des Symbols erklärte.
Die zweite Version folgte 1993, gestaltet von einem seiner Schüler, Guillaume Boube – zu einer Zeit, als das Logo den Namen seines ersten französischen Vereins trug: MMA – Majapahit Martial Arts.
1995 entstand eine dritte Version. Ab dem Jahr 2000 weltweit verwendet, blieb sie über ein Jahrzehnt die Version, die am stärksten mit dem System verbunden wurde.
2010 war es für Jeff Zeit für ein neues Kapitel, und er gestaltete den Stier zum vierten Mal neu. Diese Version veröffentlichte er 2014 vollständig – zunächst nur für Schüler ab dem Rang Guro, 5. Dan. Als er sein Lebenswerk 2016 unter dem Namen Kali Silat Evolution neu ausrichtete, folgte ihm der Stier auch in dieses Kapitel. Wie er selbst sagte: Nach mehr als dreißig Jahren hatte er endlich die Philosophie gefunden, die zu ihm gehörte.
Wofür der Stier steht
Das Symbol reicht zurück bis zum Majapahit-Reich, einer mächtigen Zivilisation, die sich zwischen 1293 und 1500 von Sumatra bis Neuguinea erstreckte. Der Legende nach vereinte Majapahit einige der besten Kämpfer Südostasiens – Praktizierende des Kali von den Philippinen, des Muay Boran und Krabi Krabong aus Thailand, des Pencak Silat aus Indonesien und Malaysia –, jeder mit seiner eigenen Kunst.
In diesem Reich stand der Stier für Stärke und Kraft. Jeff nahm dasselbe Symbol als Brücke zwischen Kali, Muay Boran und Pencak Silat – den drei Künsten, auf denen das System gründet. In seinen eigenen Worten steht der Stier für „ein echtes Gleichgewicht zwischen Stärke und Kraft, zwischen Körper und Geist“. Der Kreis darüber steht für spirituelle Stärke und ein höheres Verständnis.
Ein Logo, viele Ebenen
Die 2014 veröffentlichte Version trägt mehr als eine Bedeutung. Ihr Rechteck steht für das gemeinsame Fundament des KSE-Curriculums – das, was er „unsere gemeinsame Sprache“ nannte. Doch wie das System selbst endet auch seine Bedeutung nicht dort: Sie vertieft sich, je weiter man in den Graden voranschreitet, und offenbart mit jeder Stufe mehr.

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